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Die wichtigsten Fragen kurz und knapp beantwortet

  • Es gibt kaum mehr Kühe auf der Weide. Täuscht dieser Eindruck?

    Es gibt kaum mehr Kühe auf der Weide. Täuscht dieser Eindruck?

    Kuhstall

    Tatsächlich geht die Weidehaltung in Deutschland zurück. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes können in Deutschland rund 42 Prozent aller Milchkühe auf die Weide. Für unser dicht besiedeltes Land ist dies ein enormer Wert.

  • Im Urlaub in Bayern sehe ich viel mehr Kühe auf der Weide als in Nordrhein-Westfalen. Gibt es regionale Unterschiede bei der Weidehaltung?

    Im Urlaub in Bayern sehe ich viel mehr Kühe auf der Weide als in Nordrhein-Westfalen. Gibt es regionale Unterschiede bei der Weidehaltung?

    Ja, die gibt es – aber anders, als man denkt: So weiden in Bayern nur 16 Prozent der Tiere. In Nordrhein-Westfalen dagegen haben mit 82 Prozent sogar bundesweit die meisten Kühe Zugang zum Grünland. In Ostdeutschland, mit seinen vorwiegend großen Beständen, ist Weidegang weniger verbreitet. Hier bewegen sich die Zahlen zwischen 13 Prozent in Thüringen und 34 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. In den westlichen Bundesländern nehmen hinter Nordrhein-Westfalen Schleswig-Holstein (77 Prozent), Niedersachen (69 Prozent) und das Saarland (67 Prozent) die weiteren Plätze ein.

  • Warum gibt es immer weniger Milchkühe, die auf die Weide können?

    Warum gibt es immer weniger Milchkühe, die auf die Weide können?

    Weidehaltung für Kühe ist ideal, wenn sich die Grünlandflächen direkt am Stall befinden. Denn zweimal pro Tag müssen Tiere zu Melken in den Stall zurück. Doch je größer die Betriebe werden, desto weiter entfernt befinden sich auch die Weiden. Für die Kühe ist dann nicht nur der Weg jedes Mal weit und anstrengend. Es müssen oft auch viel befahrene Straßen überquert werden. Dies ist sowohl für die Tiere als auch für die Autofahrer gefährlich. Zudem können die Tiere nur im Stall optimal mit der passenden Futterration versorgt werden. Dies ist bei Weidehaltung kaum möglich und die Kühe geben dann weniger Milch. Probleme bereiten auch zunehmend frei laufende Hunde, die die Herden auf der Weide in Unruhe versetzen. Außerdem ist Weidehaltung bei uns nur wenige Monate im Jahr möglich und die Tiere benötigen für den Winter ohnehin einen Stall. Hier muss der Landwirt also noch zusätzlich in Zaunbau und Zaununterhaltung sowie in die Wasserversorgung auf der Weide investieren.

  • Kleine Betriebe lassen ihre Kühe auf die Weide, große nicht. Kann man das so sagen?

    Kleine Betriebe lassen ihre Kühe auf die Weide, große nicht. Kann man das so sagen?

    Nicht ganz. Kleine Betriebe mit weniger als 50 Milchkühen liegen genau im Durchschnitt: 42 Prozent der Tiere können hier weiden. Bei den mittleren Betrieben mit 50 bis 99 Tieren praktizieren hingegen etwa 51 Prozent Weidehaltung, während es bei den großen Betrieben ab 100 Kühen nur noch 33 Prozent sind.

  • Häufig sehe ich weidende Kühe auf Milchprodukten. Kann ich sichergehen, dass diese Milch auch tatsächlich aus Weidehaltung stammt?

    Häufig sehe ich weidende Kühe auf Milchprodukten. Kann ich sichergehen, dass diese Milch auch tatsächlich aus Weidehaltung stammt?

    Nein. Es gibt in Deutschland derzeit kein Label für zertifizierte Weidehaltung. Das bedeutet, dass jede Molkerei auf der Milchpackung abbilden kann, was sie möchte.

  • Kann ich Milch aus garantierter Weidehaltung in Deutschland kaufen?

    Kann ich Milch aus garantierter Weidehaltung in Deutschland kaufen?

    Kühe auf der Weide

    Einige Molkereien bieten bereits sogenannte "Weidemilch" in ihrem Sortiment an. Sie zahlen ihren Landwirten Aufschläge auf den normalen Milchpreis, wenn sie an einem Weidemilchprogramm teilnehmen. Auch einige Handelsketten setzen bei frischen Milchprodukten, die sie unter ihrer Handelsmarke verkaufen, zunehmend auf Weidemilch.

  • Warum leben die Kälber in kleinen weißen Plastikhütten?

    Warum leben die Kälber in kleinen weißen Plastikhütten?

    Nach der Geburt sind die Kälber sehr anfällig gegen die Krankheitskeime, die natürlicherweise im Kuhstall vorhanden sind. Daher kommen die Kälber für ungefähr eine Woche in Einzelboxen, auch Kälber-Iglus genannt, die außerhalb des Stallgebäudes stehen. Durch die frische Luft ist hier die Keimbelastung geringer und die Tiere haben deutlich weniger Durchfall oder Atemwegsinfektionen. Danach kommen die Kälber zu den anderen Jungtieren in den Kälberstall.

  • Warum haben die Kühe oft keine Hörner?

    Warum haben die Kühe oft keine Hörner?

    Nicht nur in Deutschland, sondern nahezu überall auf der Welt, werden den Kälbern die Hornanlagen entfernt. Dadurch treten bei den erwachsenen Tieren deutlich weniger Verletzungen bei Rangordnungskämpfen auf, die Rinder als Herdentiere natürlicherweise ausüben. Aber auch die Gefahr, dass sich die Tiere selbst Verletzungen durch Verhaken z. B. in Stallgittern, zufügen, wird so minimiert. Auch das Verletzungsrisiko für die Tierhalter selbst wird so verringert.

  • Welche Alternativen zur Enthornung gibt es?

    Welche Alternativen zur Enthornung gibt es?

    Einzelne Rinderrassen, wie z.B. Angus oder Galloway, sind von Natur aus hornlos. Doch bei den Milchviehrassen treten nur vereinzelt reinerbig hornlose Tiere auf. Zudem bringen diese Tiere nicht die gewünschte Milchleistung. Einen Ausweg könnten beispielsweise moderne Zuchtwertschätzungsmodelle darstellen. Mit ihnen soll es gelingen, schon in wenigen Generationen homozygot (reinerbig) genetisch hornlose Stiere mit guten Zuchtwerten zu züchten.

  • Was heißt „Enthornung“ genau?

    Was heißt „Enthornung“ genau?

    Enthornung nennt man das Zerstören der Hornanlagen bei horntragenden Tieren. Während Schafe und Ziegen nur selten enthornt werden, ist dies bei Rindern in Deutschland üblich.

  • Wie wird die Enthornung genau durchgeführt?

    Wie wird die Enthornung genau durchgeführt?

    Kälber werden im Alter zwischen zwei und sechs Wochen enthornt. Im Idealfall sollte der Tierarzt dem Kalb zunächst ein Betäubungsmittel zusammen mit einem Schmerzmittel spritzen. Anschließend wird das Fell im Bereich um die Hornknospe geschoren. Ein heißes, ringförmiges Brenneisen wird für 5-10 Sekunden um die Hornknospe herum aufgesetzt und die Hornanlage ausgebrannt. Durch das heiße Eisen wird gleichzeitig die dabei entstehende Wunde kauterisiert, wodurch Blutungen gestillt und desinfiziert werden. Die Wunden verwachsen relativ problemlos und vernarben schnell. Oft werden die Wunden noch mit Jod-, Alu- oder Blauspray zur Desinfektion besprüht.

  • Dürfen Kälber auch ohne Betäubung enthornt werden?

    Dürfen Kälber auch ohne Betäubung enthornt werden?

    Bis zu einem Alter von sechs Wochen dürfen Kälber auch ohne Betäubung enthornt werden. Dies ist durch das Tierschutzgesetz geregelt.

  • Enthornen Biobetriebe ihre Tiere auch?

    Enthornen Biobetriebe ihre Tiere auch?

    In etwa 70 Prozent der Biobetriebe wird die Enthornung praktiziert. Grundsätzlich verzichten nur die Anbauverbände Demeter und NEULAND auf diese Methode.